Tonerkartuschen: Gift im Plastikgehäuse?

Der europäische Verband der Tonerkartuschen-Recycler (Etira) hat mit Hilfe der LGA festgestellt, dass die gelbe Tonerkartusche, die wir als Tonerdumping-Toner (als Ersatz für HP CF412X) verkauft haben, aus einem Plastik besteht, das den Stoff DecaBDE in einer so hohen Konzentration enthält, dass künftige Grenzwerte der EU überschritten werden. Die Etira hat die LGA mit dem Test mehrerer Tonerkartuschen von verschiedenen Händlern in ganz Deutschland beauftragt – nahezu alle enthielten den Stoff DecaBDE. Das Magazin Digital Imaging hat darüber berichtet. Das Inverkehrbringen dieses Stoffes ist ab kommendem Jahr, genauer ab dem 2. März 2019, in der EU nicht mehr erlaubt. TONERDUMPING selbst ist deshalb bereits seit mehreren Monaten mit seinen Lieferanten in intensiven Gesprächen, um sicherzustellen, dass diese EU-Vorgaben sicher eingehalten werden können.

Der Test der Etira ergab, dass dies zum jetzigen Zeitpunkt bei mindestens dem getesteten Toner noch nicht der Fall ist. Getestet wurden Toner, die vom Tonerhersteller „Static Control“ stammen – einem Lieferanten, bei dem wir nur einen sehr kleinen Teil unseres Sortiments beziehen und mit dem wir aktuell gar nicht mehr zusammenarbeiten. Nichtsdestotrotz ist einer unserer Tonerkartuschen betroffen. Dies nehmen wir sehr ernst und reagieren entsprechend. Im Folgenden möchten wir ausführlich darstellen, wie wir mit dem Ergebnis umgehen und vor allem, wie wir die geforderte Einhaltung von Grenzwerten sicherstellen. So sehen die von uns verkauften und im Auftrag der Etira getesteten Toner aus:

Die betroffenen Static Control Toner wurden von uns in diesen beiden Schachteln ausgeliefert.
Die betroffenen Static Control Toner wurden von uns in diesen beiden Schachteln ausgeliefert.
Erkennen kann man den Static Control Toner an seinem Etikett, auf dem sich auf schwarzem Hintergrund eine weiße durchgestrichene Mülltonne befindet.
Erkennen kann man den Static Control Toner an seinem Etikett, auf dem sich auf schwarzem Hintergrund eine weiße durchgestrichene Mülltonne befindet.

TONERDUMPING bietet allen betroffenen Kunden einen Umtausch an. Eine Gesundheits-Gefährdung beim üblichen Gebrauch der Tonerkartuschen besteht jedoch nicht.

Was ist DecaBDE und warum wird es demnächst verboten?

Decabromdiphenylether (DecaBDE) ist ein Flammschutzmittel und gehört zur Gruppe der polybromierten Diphenylether. Kunststofftypen, bei denen es zur Anwendung kommt, sind beispielsweise Polyethylen, Polypropylen oder ungesättigte Polyester. Wenn man Plastik aus Erdöl gewinnt, ist es gleichmäßig stabil und einfach zu verarbeiten. Wenn jedoch bereits verwendetes Plastik recycelt werden soll, um es erneut als Plastik zu verwenden, ist es nicht mehr so stabil und benötigt einen Stabilisator, um annähernd die gleichen Eigenschaften wie neues Plastik zu gewährleisten. Da die Wiederverwertung von Alt-Plastik lange Zeit als umweltverträglicher galt als die Produktion neuer Plastikteile wurde und wird bis heute recyceltes Plastik in vielen Produkten verwendet – u.a. in Tonerkartuschen. Inzwischen sind die stabilisierenden Inhaltsstoffe jedoch umstritten. Zu diesen Stoffen gehört das Flammschutzmittel DecaBDE, das in das Plastikgranulat verarbeitet wird.

DecaBDE ist nur in seiner Reinform äußerst giftig. Gebunden in Plastik stellt es nach dem Stand der Forschung keine Gefahr für die Gesundheit dar. Erst wenn das belastete Plastik verbrannt wird, können giftige Dioxine frei werden. Um jedoch von vornherein jede Gefährdung auszuschließen, ist es das Ziel der EU, diesen Stoff langfristig aus dem Verkehr zu nehmen. Deshalb ist das Inverkehrbringen bestimmter Produkte, die Plastik enthalten, das mehr als 0,1 % DecaBDE enthält, ab dem 2. März 2019 in der EU nicht mehr erlaubt. Für Produkte aus der Automobilbranche gelten Ausnahmeregelungen. Bei Produkten aus der Luftfahrtindustrie gilt der Grenzwert sogar erst ab dem Jahr 2027.

Wie stellt Tonerdumping sicher, dass keine belasteten Tonerkartuschen verkauft werden?

Wir haben bereits vor einigen Monaten begonnen, mit allen unseren großen Tonerkartuschen-Lieferanten das Thema zu besprechen und wir haben Schritte eingeleitet, um sicherzustellen, dass künftig kein Plastikteil mehr die vorgeschriebenen Grenzwerte überschreitet. Als wichtigste Maßnahme hat unser größter Lieferant mitgeteilt und nachgewiesen, dass bereits vor einigen Monaten die Umstellung auf unbelastetes Plastik erfolgt ist. RoHs und Reach-Tests liegen uns bereits von ersten Tonerkartuschen vor, die das belegen können.

TONERDUMPING bestellt nur noch bei Zulieferern, die nachweislich keine belasteten Plastikteile verwenden. Die genannte EU-Kommissions-Verordnung 2017/227 tritt am 2. März 2019 in Kraft – wir sind dann sehr gut darauf vorbereitet.

Ist die Verwendung von DecaBDE-Tonerkartuschen gefährlich?

Die Verwendung der Tonerkartusche ist nicht gefährlich. Das Tonergehäuse selbst wird nicht heißer als 50 Grad. Der Schmelzpunkt von DecaBDE liegt bei 304 Grad, es handelt sich ja um ein Flammschutzmittel.

Sind nur Tonerkartuschen belastet, die in China hergestellt werden?

Der Bericht der Digital Imaging legt nahe, dass ausschließlich Tonerkartuschen aus chinesischer Produktion von der EU-Verordnung betroffen sind und die darin geforderten Grenzwerte bisher deutlich überschreiten. Um zu dieser generellen Feststellung zu gelangen, wurde jedoch nur eine vergleichweise geringe Stichprobe in den Test einbezogen.

Es ist in der Tat nicht unwahrscheinlich, dass zurzeit noch der Großteil der in Deutschland verkauften Tonerkartuschen DecaBDE enthält – unabhängig von ihrer Herkunft. Die Verwendung von recyceltem Plastik ist nicht nur billiger in der Herstellung, sie galt noch vor einiger Zeit als energieeffizienter als die Verwendung von neuem Plastik. Deshalb sind auch nicht nur Tonerkartuschen, sondern auch viele andere Plastikprodukte betroffen.

Sind Originaltoner sicherer? Was ist mit Rebuilt-Tonern?

Beim Test der Etira wurden auch vereinzelt Original-Toner getestet und bei denen lag der DecaBDE-Wert unter dem Grenzwert. Die Druckerhersteller haben offenbar schon früher auf hochpreisiges Plastikgranulat umgestellt. Ob dies wirklich repräsentativ für alle Hersteller ist, darüber kann aufgrund der kleinen Stichprobe kein abschließendes Urteil gefällt werden. Ob heute bereits alle Original-Hersteller ausschließlich unbelastetes Plastik verwenden, ist in diesem Test nicht untersucht worden. Man darf aber mit einiger Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass auch Originalhersteller in der Vergangenheit – ebenso wie andere Plastikhersteller – recyceltes Plastik verwendet haben.

Bei Rebuilt-Tonern ist die Frage der DecaBDE-Belastung deshalb nicht so eindeutig zu beantworten. Kein Rebuilt-Hersteller testet das Original-Leergut, ob es belastet ist, bevor es verarbeitet wird. Rebuilt-Hersteller wissen vermutlich auch nicht den Zeitpunkt, ab dem der Original-Hersteller besseres Plastik verwendet hat oder ob er das schon immer getan hat. Denkbar wäre, dass älteres Leergut belastet ist, neueres nicht belastet ist. Zudem kaufen auch Rebuilt-Toner-Hersteller Plastikteile in China ein – wie zum Beispiel größere Tonerbehälter um XL-Tonerkartuschen herstellen zu können.

Warum auch künftig Newbuilt-Toner von Tonerdumping die sicherste Wahl sind

Wir sind der Etira für diesen Test ausdrücklich sehr dankbar. TONERDUMPING ist ein mittelständisches Unternehmen mit rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Berlin – wir arbeiten mit vielen Toner- und Tintenlieferanten in Deutschland und in vielen Ländern der Welt zusammen. Für uns ist die Einhaltung von Vorgaben und Regeln ein zentraler Bestandteil unserer Unternehmensphilosophie. So verfahren wir in Patentrechtsfragen, genauso werden wir auch bei der Einhaltung von Grenzwerten verfahren. Nur so ist ein fairer und guter Wettbewerb möglich. Und so können wir Kunden sichere und qualitativ hochwertige Produkte anbieten. Dies allein ermöglicht langfristige Kundenbeziehungen. Genau so handeln wir seit mehr als 15 Jahren und genau so handeln wir auch in Zukunft.

Der Etira-Test hat gezeigt, dass es ein Problem gibt. Uns war es bisher nicht möglich, die einzelnen Bestandteile eines Plastikgehäuses zu testen. Dies ist ein sehr aufwändiger Prozess. Er hat ergeben, dass auch eine von uns vertriebene Kartusche noch DecaBDE enthält. Dies nehmen wir sehr ernst. Wir stellen transparent die Herkunft der Kartusche dar und haben diese Information auch dem Journalisten der Digital Imaging zur Verfügung gestellt. Vor allem aber haben wir in den vergangenen Wochen intensive Gespräche mit unseren Lieferanten geführt. Wir benötigen von allen unseren Lieferanten Garantien und Nachweise, dass die geforderten Grenzwerte eingehalten und unterschritten werden – ansonsten werden wir keine Ware von dort beziehen. U.a. arbeiten wir mit dem größten Hersteller kompatibler Tinten- und Tonerkartuschen zusammen, sind selbst regelmäßig vor Ort, lassen uns die Produktion zeigen. Wir stehen in engem Kontakt mit der Führungsebene des Herstellers. Deshalb können wir unabhängige Tests und Nachweise über die Produktion einfordern. Dies tun wir. Dank des Etira-Tests nun auch nochmals verstärkter als bereits zuvor. Wir arbeiten mit diesem Lieferanten auch an einer gesonderten Kennzeichnung des Plastikgehäuses, so dass Verbraucher in Zukunft deutlich erkennen können, ob es sich um Material handelt, das die Grenzwerte einhält. Der Toner-Hersteller, der das Plastikgranulat erwirbt, kann leichter testen, ob das Material sicher ist, oder nicht – und entsprechende Garantien abgeben.

Schwarze Schafe kann man auch am Preis erkennen…

Daneben gibt es natürlich die vielen ungenannten schwarzen Schafe, die sich bei Ebay oder im Amazon-Marketplace tummeln. Und es wird auch weiterhin chinesische Hersteller geben, die zwar in der Lage sind „RoHs“ und „Reach“ auf einen Karton zu drucken, aber am Ende dann doch stark belastetes Material liefern werden. Und hier wird sich dann die Spreu vom Weizen trennen. Das könnte dann auch ein Grund sein, warum bei TONERDUMPING nicht jeder Preis unterboten werden kann. Denn wenn ein Plastikgehäuse nicht mehr 50 Cent, sondern 2 Euro kostet, dann kann die Tonerkartusche eben nicht für 9 € versandkostenfrei angeboten werden. Auf einen solchen Preiskampf auf Grundlage unsauberer Methoden werden wir uns nicht einlassen. Darauf können sich unsere Kunden schon immer verlassen – und auch in Zukunft.

2 Gedanken zu „Tonerkartuschen: Gift im Plastikgehäuse?#8220;

  1. Flammschutzmittel DecaBDE ab 1. Juli 2008 in Elektro- und Elektronikgeräten verboten
    Umweltbundesamt plädiert für Ersatz auch in Textilien
    Elektro- und Elektronikgeräte, die in Europa auf den Markt kommen, dürfen ab dem 1. Juli 2008 nicht mehr das Flammschutzmittel Decabromdiphenylether (DecaBDE) enthalten. Dies gilt unabhängig vom Herstellungsort der Geräte und für alle enthaltenen Bauteile. Der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), Prof. Dr. Andreas Troge sagte: „Damit ist das besonders problematische DecaBDE endlich aus neuen Elektro- und Elektronikgeräten verbannt. Auch die Textilindustrie sollte für den Flammschutz bei Vorhängen, Rollos oder Möbelbezugsstoffen auf DecaBDE verzichten. Umweltschonendere Alternativen stehen bereit.” Das können etwa Textilfasern mit fest eingesponnenen Flammschutzmitteln auf Phosphorbasis sowie Gewebe aus schwer entflammbaren Kunststoffen – wie Polyaramiden – oder aus Glasfasern sein. Oft lässt sich die Entflammbarkeit der Textilien und Möbel auch mit einer anderen Webtechnik oder einem dichteren Polsterschaum stark herabsetzen. In diesen Fällen wären überhaupt keine Flammschutzmittel mehr notwendig.

  2. DecaBDE ist in der Umwelt schwer abbaubar und kann sich in Lebewesen anreichern. Daher ist es sowohl in der Polarregion, bei Füchsen, Greifvögeln und Eisbären sowie anderen Tieren nachweisbar, die am Ende der Nahrungskette stehen. Auch in der Frauenmilch ließ sich DecaBDE nachweisen. Der Stoff wirkt zwar nicht sofort giftig, es besteht aber der Verdacht auf langfristig schädliche Wirkungen für die Embryonalentwicklung (Entwicklungsneurotoxizität) und auf den langsamen Abbau zu den stärker toxischen, bereits in allen Anwendungen verbotenen Verbindungen Penta- und Octabromdiphenylether (PentaBDE, OctaBDE). Die Eigenschaften hält das UBA insgesamt für so problematisch, dass es DecaBDE als persistenten, bioakkumulierenden und toxischen Stoff – sogenannten PBT-Stoff – bewertet und sich schon lange für ein Verwendungsverbot in Elektro- und Elektronikgeräten einsetzt.

    Als umweltverträglichere Alternativen für DecaBDE sind vor allem bestimmte halogenfreie, phosphororganische oder stickstoffhaltige Flammschutzmittel sowie Magnesiumhydroxid geeignet. Viele Hersteller elektrischer und elektronischer Geräte verzichten daher bereits heute vollständig auf den Einsatz bromierter Flammschutzmittel zugunsten dieser Alternativen. ”Bei problematischen Chemikalienanwendungen, für die weniger schädliche Ersatzstoffe vorhanden sind, sollten die Hersteller schnell auf die Alternativen setzen”, sagte UBA-Präsident Troge. „Sonst kostet es viel zu viel Zeit und Geld, bis man letzte Gewissheit für die Schädlichkeit eines Stoffes hat und schließlich handelt”. Im Fall des DecaBDE bedeutet dies: Der Stoff ist auch beim Flammschutz in Textilien so schnell wie möglich zu ersetzen. Bislang gibt es in Deutschland Brandschutzanforderungen an Textilien nur für Gebäude mit öffentlicher Nutzung. Da flammgeschützte Textilien großflächig in Innenräumen zum Einsatz kommen können und das Waschen – etwa eines flammgeschützten Vorhangs – nicht auszuschließen ist, sind gerade in Textilien umweltschädliche Stoffe zu vermeiden. So werden Belastungen der Innenraumluft sowie des Abwassers und des Klärschlamms – und in Folge der Gewässer oder Böden – von vornherein verhindert.

    Die Europäische Union wollte bereits vor zwei Jahren die Anwendung des DecaBDE als Flammschutzmittel für elektrische und elektronische Geräte verbieten. Dies sah die Richtlinie 2002/95/EG zur „Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten” (so genannte RoHS-Richtlinie) vor. Bevor das Anwendungsverbot für DecaBDE in elektrischen und elektronischen Geräten überhaupt in Kraft trat, hob die Europäische Kommission es im Herbst 2005 wieder auf. Dagegen wandten sich EU-Parlament und Dänemark. Beiden gab der Europäische Gerichtshof (EuGH) nun endgültig Recht. Laut EuGH darf ein Anwendungsverbot für Stoffe in elektrischen und elektronischen Geräte unter der RoHS-Richtlinie nur aufgehoben werden, falls keine technisch geeigneten Alternativen vorlägen oder diese noch schädlichere Wirkungen auf Umwelt- und Gesundheit hätten als der Stoff, dessen Anwendung verboten werde. Da es Alternativen gibt, tritt das Anwendungsverbot für DecaBDE in neuen elektrischen und elektronischen Geräten nun zum 1. Juli 2008 wieder in Kraft.

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