Peach, Pelikan und Ninestar umgehen HP Firmware-Update

Gute Neuigkeiten für Besitzer von HP Druckern. Das am 13. September 2016 aktivierte Firmwareupdate für HP Tintenstrahldrucker hat sämtliche kompatiblen Patronen mit neuem Patronenchip unbrauchbar gemacht. Nun reagieren Peach, Pelikan und Ninestar mit Lösungen.

Thorsten Pree, Chef von Peach schrieb uns zu ihrer Lösung:

„Peach ist es nun gelungen innerhalb weniger Tage eine neue, einwandfrei lauffähige Patrone für HP 950/951 sowie HP 970/971 zu entwickeln. Diese neue Version geht in der nächsten Woche in die Produktion und dann gibt es wieder alternative Reman-Patronen für den HP 950/51 und HP 970/971 mit New Chip und hat somit auch wieder mit Füllstandanzeige. Damit sind wir nicht nur die Ersten, sondern wohl auf lange Sicht auch die Einzigen.“

pelikan-akzeptiert

Auch von Pelikan haben wir Neuigkeiten per Email erhalten:

Nach umfangreichen Tests der F & E-Abteilung bei Pelikan stellt sich heraus, dass die Pelikan Druckerpatronen nach wie vor von HP-Druckern erkannt werden und wie vor dem Update einwandfrei funktionieren. Es gibt keine Probleme mit Pelikan Druckerpatronen nach dem HP Firmware-Update.

Von Ninestar haben wir erfahren, dass bereits neue Chips aus China bereits in Europa eingetroffen sind. Diese werden – so einfach wie bei einem Lego-Baustein – die älteren Chips ersetzen. Bereits kommende Woche werden dann die neuen Chips verfügbar sein.

Von Embatex/Emstar haben wir gehört, dass deren Patronen einen Static-Chip haben und dass dieser weiterhin auch nach dem Update funktioniert.

Wir werden erst einmal die neue Lösung von Ninestar testen und nächste Woche mitteilen, ob damit das Problem vorerst behoben ist.

Emstar-Toner künftig nicht mehr Made in Austria

Der österreichische Tinten- und Tonerkartuschenhersteller Embatex, Inhaber der Marke Emstar, verlagert seine Tonerproduktion vom österreichischen Feldkirchen, nach Rumänien. Laut PBS-Business begründet die Geschäftleitung diese Entscheidung mit sinkenden Preisen bei Tonerkartuschen und steigenden Löhnen in Österreich.

Christian Wernhart: Alle OEM-Hersteller mahnen ab

Christian Wernhart

Christian Wernhart (Foto: Embatex)

Christian Wernhart ist nicht nur der Inhaber des Tonerherstellers Embatex, sondern auch Präsident des Verbandes ETIRA (European Toner & Inkjet Remanufacturers‘ Association). Herr Wernhart war heute für ein Interview bereit.

TD-Blog: Herr Wernhart, Sie sind Firmeninhaber von Embatex und engagieren sich als Präsident der Etira. Können Sie kurz beschreiben, welche Ziele die Etira verfolgt und welche namhaften Firmen dort bereits Mitglied sind.

Wernhart: Die ETIRA hat als Verband die Aufgabe die Anliegen der Recyclingindustrie für Tinte und Toner in Europa zu vertreten. Eine Mitgliederliste finden Sie auf www.etira.org (die Mitglieder aus Deutschland finden Sie hier Anm. von TD-Blog).

Die Ziele der ETIRA sind:

  • zu verhindern, dass wiederaufbereitete Druckerkartuschen bei Ausschreibungen ausgeschlossen werden
  • gegenüber der EU-Kommission darzustellen, dass man mit den wiederaufbereiteten Druckerkartuschen bis zu 60 Prozent CO² sparen und billiger drucken kann
  • zu verhindern, dass die OEMs keine Produkte auf den Markt bringen, die nicht wieder befüllbar sind
  • seit 3 Jahren kämpft die ETIRA gegen Clone und klärt Verbraucher darüber auf.

TD-Blog: Können Sie kurz beschreiben, was die Stärken von Embatex bzw. die Stärken der Marke „Emstar“ sind?

Wernhart: Die Stärke der Marke EMSTAR ist die hohe Qualität der aufbereiteten Druckerpatronen und das große Produktsortiment – hergestellt in Österreich. Embatex investiert jährlich über 6 % des Umsatzes in Forschung, Entwicklung und in die Qualitätssicherung mit dem Ziel gleichwertige Produkte zum Original zu haben.

TD-Blog: Samsung hat diese Woche erklärt, man habe in München Klage gegen 7 deutsche Tonerhändler eingereicht. Wissen Sie welche Händler betroffen sind?

Wernhart: Noch nicht, wir werden aber einen Antrag an das Landgericht München stellen.

TD-Blog: Was wird den Händlern vorgeworfen?

Wernhart: Patente von Samsung verletzt zu haben (wir haben darüber berichtet Anm. von TD-Blog).

TD-Blog: Was kann Händlern schlimmsten Falls passieren, wenn sie sich nicht um Patentrechte kümmern?

Wernhart: Wenn Sie das erste mal ertappt werden, kostet das meistens nur Rechtsanwalts- und Gerichtskosten die vom Streitwert abhängig sind. Dazu kommt die Vernichtung der betreffenden Ware. Sollte er aber ein zweites Mal erwischt werden, sind die zivilrechtlichen Folgen existenzbedrohlich.

TD-Blog: Haben Sie ein paar Tipps, wie sich ein Toner-Händler vor patentrechtlich verletzender Ware schützen kann? Welche Maßnahmen kann er ergreifen?

Wernhart: Er soll sich beim Hersteller vor Ort ein Bild machen, ob er wirklich selber recycelt. Welche Kapazitäten hat erüberhaupt? Ist die Firma seriös? Ein Beispiel: Vor zwei Jahren hat eine tschechische Firma am deutschen Markt damit geworben, sie sei die größte Recyclerin in ihrem Land. Wir waren dort, diese Firma hatte ein Lager mit 400 Quadratmetern – voll mit „Clone“ (nachgebaute Tonerkartuschen Anm. von TD-Blog).

Stutzig sollte man auch bei zu billigen Preisen werden: ist der Preis nahe dem Leergutpreis, dann kann es sich nur um einen Clone handeln. Die Kosten bei der kleinsten Tonerkartusche liegen für Recycler mindestens bei zehn Euro.

Dann gibt es Hersteller aus China, die mit patentfreien Produkten werben. Glauben Sie dies nur, wenn Sie eine Patentfreistellungserklärung mit einer Bankgarantie bekommen. Patentfrei ist nur dann ein Produkt, wenn bei einem Gerichtsprozess dies der Richter bestätigt.

Das wäre so auf die Schnelle mein Rat. Für spezifische Fragen steh ich jederzeit gerne zur Verfügung. (Nutzen Sie die Kommentarfunktion, wir leiten Ihre Fragen dann an Herrn Wernhart weiter, Anm. von TD-Blog).

TD-Blog: Die betroffenen Händler werden jetzt vermutlich auf wiederbefüllte Toner setzen. Was überwiegt bei Ihnen: Die Freude, dass andere Händler jetzt nicht mehr unbeschränkt Toner anbieten können, oder der Ärger darüber, dass jetzt mehr Nachfrager auf den Leergutmarkt drängen?

Wernhart: Natürliche ersteres. Ich bin für Wettbewerb. Jeder Recycler soll versuchen erfolgreich zu sein und ich bin niemanden den Erfolg neidig. Nur dieser Wettbewerb soll unter gleichen Bedingungen stattfinden. Clone als Recycling zu verkaufen ist keine Kunst, da diese oft weniger als ein Drittel eines aufbereiteten Produktes kosten.

TD-Blog: Als Embatex-Chef: Verspüren Sie bereits mehr Nachfrage an Samsung-Rebuilttonern?

Wernhart: Im Moment noch nicht, erfahrungsgemäß wird die Nachfrage in drei bis sechs Monaten ansteigen.

TD-Blog: Können Sie schon verraten, ob auch andere Drucker-Hersteller im Begriff sind in Deutschland Händler abzumahnen?

Wernhart: Nein, ich kann nur sagen alle OEMs werden abmahnen wenn der Cloneanteil zu hoch ist.

TD-Blog: Danke für das Gespräch.

Wernhart: Sehr gerne.