Druckertest: HP DeskJet 3720 Testbericht

»Na der ist aber süß«, so oder ähnlich dürften viele Reaktionen beim ersten Anblick des HP DeskJet 3720, dem kleinsten Tintenstrahl-Multifunktionsdrucker der Welt, lauten. Und in der Tat ist HP ein sehr ansehnliches Design gelungen. Ähnlich wie vor gut 20 Jahren der erste Apple iMac einen Weg weg von den grauen Kisten beschritt und mit organischer Form und farblichen Akzenten neue Ansätze verfolgte, wirkt der DeskJet 3720 erfrischend anders.

Überzeugt der HP DeskJet 3720 auch auf den zweiten Blick?

Ein hübsches äußeres ist zwar ein netter Bonus, aber ein Drucker soll in erster Linie gut und zuverlässig drucken, und ein Multifunktionsgerät sich beim scannen und kopieren bewähren. Entsprechend hat sich unser Druckerexperte Michael Schneider nicht blenden lassen, und dem DeskJet 3720 genau unter die Haube geschaut – und dort glänzte dann nicht mehr alles ganz so hell.

Nehmen wir uns als erstes dem Alleinstellungsmerkmal der kleinste Multifunktionsdrucker der Welt zu sein an. Im ungenutzten Zustand, alle Klappen geschlossen, stimmt das. Dafür zahlt man allerdings mit dem Nachteil eines reinen Einzugscanners. Um mal einen Brief oder eine andere einseitige Vorlage einzuscannen reicht das aus, wer versucht ein Buch oder auch nur eine Zeitschrift durch den Einzug zu befördern, der steht vor einer unlösbaren Aufgabe.

Auch beim drucken relativiert sich der Größenvorteil. Sind die Klappen für Papiereinzug und -ausgabe geöffnet, ergibt sich eine Grundfläche von 40x50cm bei 30 Zentimeter in der Höhe. Kompakt, ohne Frage, aber die Stellfläche ist nicht kleiner als bei vergleichbaren Druckern.

Gehäuse und Verarbeitung

Der DeskJet 3750 kommt in einem schicken Kunststoffgehäuse daher. Während das weiße Grundgehäuse und die bunte, halbtransparente Applikation oben eine leicht raue Oberfläche aufweisen glänzt das Kunstoffmaterial der Oberfläche der Scaneinheit, die bügelförmig das Gehäuse überspannt. Das sieht gut und für den Preis durchaus hochwertig aus, allerdings auch etwas modisch, und man könnte sich eventuell schnell daran satt sehen.

Die Verarbeitung ist ordentlich, man merkt dem DeskJet 3720 aber auch deutlich an, dass er nicht für den harten Büroalltag, sondern für Gelegenheitsdrucker konzipiert wurde. Besonders beim etwas ruckelig von statten gehenden Patronenwechsel verwinden sich einzelne Teile deutlich hör- und spürbar. Aber für die Preisklasse hält sich das alles im Rahmen.

Installation und Inbetriebnahme

Der Patronenwechsel gestaltet sich wie bereits erwähnt etwas ruckelig, das gilt natürlich auch beim einsetzen der ersten Patronen. Die Treiberinstallation ist hingegen ebenso einfach wie die Einbindung ins WLAN, man merkt HP die jahrzehntelange Erfahrung im Druckergeschäft hier deutlich an. Das Bedienpanel am Drucker ist ebenso einfach und übersichtlich geraten wie die Software.

Nach dem Einsetzen der Patronen ist ein Ausrichtungstest fällig, um bestmögliche Druckqualität zu garantieren, und der macht nicht wirklich Spaß. Von HPs Kompetenz merkt man an dieser Stelle nämlich nichts mehr, der Ausrichtungstest beim DeskJet 3720 erinnerte unseren Tester an Klassiker wie den seligen DeskJet 550C. Das löst HP bei anderen Druckern wesentlich besser.

Besonders unschön ist das im Zusammenspiel mit der geringen Reichweite der kleinen Original HP 304, die Schwarzpatrone kommt auf 120 ISO-Seiten, die bunte gar nur auf 100. Wer also den Drucker häufiger nutzt sollte alleine schon wegen des aufwändigen Ausrichtungstests zumindest zu den Original HP 304XL-Patronen greifen, die kommt in Schwarz und Bunt wenigstens auf 300 Seiten.

Drucken – Druckqualität des HP Deskjet 3720

Nach dem etwas nervigen Ausrichtungstest kann man dann losdrucken. Was bietet der DJ 3700 hier an Qualität? Wir wurden nicht enttäuscht, aber auch nicht überrascht. Texte und Dokumente druckt der DeskJet 3720 in ordentlicher Qualität, allerdings bei – mit Originalpatronen – happigen Druckkosten.  HP empfiehlt den DeskJet 3720 allerdings auch nur für ein monatliches Druckvolumen von 50 bis 200 Seiten.

Als Fotodrucker disqualifiziert sich der DeskJet 3720 alleine schon wegen der exorbitanten Druckkosten und der Kombipatrone für Cyan, Magenta und Gelb. Wer dennoch mal ein Foto mit dem kleinen HP druckt erhält eine erträgliche Qualität, die allerdings im Detail nicht an aktuelle Mittelklasse-Tintenstrahldrucker heranreicht. Beim Drucktempo des HP DeskJet 3720 empfiehlt sich ein ausreichender Tee-Vorrat, denn das Drucktempo kann im Fotodruck nicht überzeugen.

Satte 6:35 Minuten benötigte der 3720 für unsere DIN A4-Testseite im Fotodruck. Abwarten, Tee trinken, und in Anbetracht der Druckkosten den Bankberater bezüglich einer Erweiterung des Dispos ansprechen.

1200dpi Scans der Ausdrucke herunterladen

Druck auf Fotopapier

Druck auf Normalpapier 

Scannen und kopieren – was taugt der Einzugscanner?

Rechts der für den Notfall noch akzeptable Scan von Normalpapier, links der verzerrte Scan von Fotopapier.

Gleich vorweg: der Scanner des DeskJet 3720 konnte uns nicht überzeugen. Um die DeskJet3700-Serie zu den kleinsten Multifunktionsdruckern der Welt machen zu können, setzt HP auf einen Einzugscanner. Das sorgt für massive Einschränkungen bei den möglichen Scanvorlagen. Eine Seite aus einem Buch oder einer Zeitschrift scannen? Unmöglich. Andere gebundene Dokumente scannen? Unmöglich.

Es besteht wirklich ausschließlich die Möglichkeit einseitige Dokumente zu scannen. Und dabei wiederum konnte uns die Scanqualität nicht überzeugen. Die Scan- und Kopierfunktion ist weder Fisch noch Fleisch, erlegt dem Nutzer im Alltag sehr unschöne Beschränkungen auf, und bleibt so leider wirklich nur eine reine Notlösung.

Während die Scan-Qualität bei Normalpapier noch für eine schnelle Kopie ausreicht, sorgt Fotopapier für stark verzerrte Scans.

Originalscans zum Download – unbearbeitet:

Originalscan Normalpapier mit dem DeskJet 3720

Originalscan Fotopapier mit dem DeskJet 3720

Patronenempfehlung: Tonerdumping HP 304 Refill-Patronen mit dreifacher Reichweite!

Zusammen mit dem Drucker haben wir auch unsere neuen HP 304 Refill-Druckerpatronen getestet. Dabei erreichte die zur HP 304 schwarz kompatible Druckerpatrone sensationelle 975 Seiten nach ISO. Damit sinkt der Seitenpreis von 8,32 Cent mit der Original HP 304 auf nur noch 2,56Cent! Eine Ersparnis von knapp 70%, das ist für einen Druckkopfpatronen-Drucker geradezu rekordverdächtig.

Bei der zur HP 304 3-farbig kompatiblen Druckerpatrone kamen wir im Test auf immerhin 345 Seiten, 45 mehr als das Original verspricht. Hier bewegt sich dann die Ersparnis im Bereich von 25% im Vergleich zur normalen HP 304 Originalpatrone

Fazit: Drucker für Gelegenheitsnutzer, Scanner als Notlösung

Der DeskJet 3720 hat bei uns einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Einerseits überzeugen Design, Konnektivität und Preis, andererseits erkauft sich HP das Alleinstellungsmerkmal des kleinsten Multifunktionsdruckers der Welt durch einen im Alltag kaum nützlichen Scanner. Das Prinzip des Einzugscanners macht für Dokumentenscanner Sinn, für Privatanwender schränkt es die Nutzung unschön ein.

Wer mit diesen Einschränkungen leben kann, der erhält für einen Straßenpreis von aktuell knapp unter 70€ einen Drucker der für das gelegentliche ausdrucken von Briefen oder anderen Dokumenten ausreicht. Als Fotodrucker eignet der DeskJet 3720 sich nicht, allein schon aufgrund der Druckkosten, aber auch die Druckqualität und das Tempo können hier nicht überzeugen. Gut gefällt uns die hervorragende Konnektivität und die simple Installation.

Abraten müssen wir von den HP 304 Standardpatronen. Mit einer ISO-Reichweite von 100 Seiten bei der Farb- und 120 Seiten bei der Schwarzpatrone sind diese sehr schnell verbraucht, und der bei jedem Patronenwechsel fällige Ausrichtungstest ist ein Ärgernis sondergleichen, das hätte man besser lösen können.

Und jeder der sich dennoch für den DeskJet 3720 entscheidet, sollte regelmäßig die Innenseite der Patronenklappe öffnen. Dort lagerte sich bei unserem Testgerät eine Menge Tintennebel ab.

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